Foto von ReptilienReptilienkonsultation in der Tierarztpraxis Au Furet

  1. Wann sollte man einen Tierarzt aufsuchen?
  2. Transport der Schlange
  3. Fixieren
  4. Die klinische Untersuchung
  5. Die Zoonosen

Die Terraristik ist eine Disziplin, die weltweit immer mehr Anhänger vereint. Die Zahl der Reptilien hat im Laufe des letzten Jahrzehnts erheblich zugenommen und gewinnt innerhalb der grossen Familie der Heimtiere an Bedeutung. Doch diese Tiere sind besonders empfindlich, vollständig an ihre Lebensräume gebunden. Und oft geschwächt durch Haltungsbedingungen, die ihren lebenswichtigen Bedürfnissen nicht angepasst sind.

Wann sollte man einen Tierarzt aufsuchen?

Die regelmässige und aufmerksame Beobachtung einer Schlange kann es ermöglichen, das Auftreten von Warnsymptomen früh zu erkennen, die das Leben Ihres Tieres gefährden können.

EIN TIERARZTBESUCH IST EMPFOHLEN BEI:

  1. Einem anhaltenden Appetitmangel (Anorexie). Viele Ursachen sind möglich, in erster Linie Haltungsfehler; die Umgebung ist stets zu überprüfen. Auch die Ingefangenschaftnahme ist bei gefangenen Schlangen oft mit im Spiel.
  2. Einem Wachstumsrückstand, Gewichtsverlust. Mögliche Ursachen: unzureichende Futtermenge, Parasitose, Verdauungsstörung, chronische Dehydrierung, Krebsprozess.
  3. Einem ungewöhnlichen Zustand der Teilnahmslosigkeit (Thermoregulation und Temperatur, Lethargie)
  4. Verdächtigen Läsionen in der Maulhöhle (Stomatitis). Ursachen: Schwächung der Antikörper, Stress, schlechter Allgemeinzustand, Hygienemangel.
  5. Einem übermässigen Speicheln (Pneumonie oder Stomatitis),
  6. Verbrennungen (frei laufende Schlange in der Wohnung…, ungeeigneter oder schlecht platzierter Heizkörper), Wunden (Bissverletzungen durch Beutetiere)
  7. Weiteren Läsionen an den Bauchschuppen (Sepsis, Blister Disease). Ursachen: zu hohe Luftfeuchtigkeit, schlechte Terrarienpflege, durchnässter Boden.
  8. Dem Auftreten eines Knotens unter der Haut (Abszess, Tumor, Parasitose)
  9. Regurgitationen
  10. Durchfall
  11. Abnormalen Haltungen
  12. Sekretausfluss aus den Nasenlöchern (Rhinitis, Stomatitis)
  13. Häutungsstörungen. Ursachen: zu niedrige Luftfeuchtigkeit, unzugängliches Wasserbecken, Milben, Wunde usw.
  14. Trübung eines Auges
  15. Häufigeren oder längeren Bädern als üblich
  16. Juckreiz
  17. Externen oder internen Parasiten (Milben)
  18. Schwellung eines Körperteils (Verstopfung, Legenot, Parasitose, Tumor).

Transport der Schlange zum Tierarzt

Um die klinische Untersuchung nicht zu verfälschen, wird der Besitzer über die beim Transport seiner Schlange zu treffenden Vorkehrungen aufgeklärt: strikte Einhaltung einer für das betreffende Reptil geeigneten Temperatur, also Transport in einem Stoffsack in einem thermisch isolierten Behälter mit Wärmflaschen und Überwachung der Temperatur mit einem Thermometer. Die durchschnittliche Temperatur für den Transport liegt in der Regel zwischen 28 und 32 °C.

Fixieren

Das Fixieren erfolgt in Ruhe in einem Raum, in dem die Temperatur erhöht wurde, um die mittlere Vorzugstemperatur (MVT) des Tieres zu erreichen. Handschuhe sind eher abzuraten, da das fehlende Berührungsgefühl zu Verletzungen führen kann. Ein sorgfältiges Händewaschen ersetzt den Gebrauch von Latexhandschuhen.

Ergreifen:

Eine wenig aggressive Schlange wird hinter dem Kopf ergriffen, mit einer oder mit 2 Händen je nach ihrer Grösse. Der Daumen wird auf den Schädel gelegt und die übrigen Finger unter den Kopf. Ist die Schlange aggressiv, wird der Kopf mithilfe eines Fixierhakens ruhiggestellt, bevor er ergriffen wird. Der Rest des Körpers muss getragen werden, man rechnet eine Person pro Meter Schlange.

Die klinische Untersuchung

Die klinische Untersuchung besteht aus 3 Teilen. Erstens die Erhebung der Vorgeschichte, der Lebensbedingungen und der Umgebung des Tieres, seiner Ernährung, der Heizungsart, des Gemeinschaftslebens usw. Zweitens die Untersuchung aus der Distanz durch das Terrarium oder auf einer nicht verletzenden Oberfläche. Diese Untersuchung erlaubt die Beobachtung und das Abhören der Atembewegungen, aber auch die Beurteilung der Vitalität, der Bewegungen der gespaltenen Zunge, der Kopfhaltung, der Verformungen des Körpers und des Aussehens der Zeichnung.
Die Schlange wird gewogen, gemessen und ihr Geschlecht bestimmt.

Diese beiden ersten Teile der Konsultation sind in der Regel die wichtigsten und informationsreichsten!

Drittens die Nahuntersuchung:

  • Beobachtung der Schuppen, des Häutungsstadiums, des Hydrations- und Ernährungszustands, Vorhandensein von Ektoparasiten, verschiedenen Wunden, Massen, der Hemipenistaschen, der supraokularen Schuppe, der Nasenlöcher und des Rostrums
  • Dann Öffnen des Mauls, Beobachtung der Maulhöhle, der Choanen, der Schleimhäute, der Zähne
  • Kardiorespiratorische Auskultation (ideal, Ultraskop)
  • Palpation der Coelomhöhle, Beurteilung der Organe. Achtung, Regurgitationsrisiko nach einer kürzlichen Mahlzeit
  • Allenfalls Zusatzanalysen, Kot, Blut, Punktionsflüssigkeit usw.

Sprechen wir über die Zoonosen (von Tieren auf den Menschen und umgekehrt übertragbare Krankheiten) oder wie man die Risiken beim Kontakt mit Reptilien minimiert

  1. Sich systematisch die Hände gewissenhaft mit warmem Wasser und Seife waschen, nachdem man ein Reptil manipuliert oder ein Terrarienzubehör berührt hat.
  2. Kein Terrarium in einem Raum des Hauses aufstellen, der zur Einnahme der Mahlzeiten oder zur Lagerung von Lebensmitteln bestimmt ist (Küche, Wohnzimmer).
  3. Regelmässig das gesamte Terrarium mit Javelwasser desinfizieren (während dieses Vorgangs Einweghandschuhe und wenn möglich eine Schutzmaske tragen und niemals Küchenutensilien für diese Reinigung verwenden). Auf dem Markt gibt es auch spezifische Desinfektionsmittel für die Reinigung von Terrarien.
  4. Niemals das Wasserbecken oder die Dekorationselemente im Küchen- oder Badezimmerbecken reinigen. Einen bestimmten Ort dafür reservieren.
  5. Nicht essen, rauchen, trinken, während man ein Reptil manipuliert oder sein Terrarium reinigt.
  6. Niemals ein Reptil küssen! Im Übrigen ist es nicht sicher, dass es diese Art von Zuneigungsbekundung mag…
  7. Manipulationen für Kinder sowie für immungeschwächte Personen (Chemotherapie, HIV, Hepatitis usw.) abraten.
  8. Jeden direkten Kontakt mit anderen unter demselben Dach lebenden Haustieren vermeiden
  9. Eine durch ein Reptil verursachte Biss- oder Kratzwunde immer überwachen.

Ein praktisches und günstiges kleines Buch von Lionel Schilliger, «Allo véto ! 100 questions/réponses sur les reptiles», Éditions Philippe Gérard, ISBN 2-912521-13-0