
Weltweit existieren nahezu 300 Schildkrötenarten, was zeigt, dass diese zu Unrecht als primitiv bezeichnete Gruppe eine grosse Formenvielfalt erlangt hat, um sich bestmöglich an die verschiedenen ökologischen Zwänge anzupassen. Zwei Drittel der Arten sind heute bedroht. Dieser stetige Rückgang der Schildkrötenbestände hängt ohne Zweifel mit einer falschen Einschätzung ihrer Biologie zusammen.
Haltung der Landschildkröte
In Gefangenschaft bestimmt der verfügbare Platz allein nicht das Wohlergehen der Tiere. Man sollte ihnen daher einen Mindestraum bieten und dabei einige Parameter beachten:
-Ein Gehege, immer nur eine Art, Überbevölkerung vermeiden.
-Das Gehege liegt stets in der sonnigsten Ecke des Gartens
-Eine Wasserstelle; ein Wasserbecken ist nicht die beste Lösung, da die Tiere dazu neigen, ihren Kot hineinzusetzen. Das tägliche Besprühen des Geheges verschafft den Schildkröten die nötige Feuchtigkeit
-Unterschlüpfe in 3 möglichen Formen:
-Der Überwinterungsbau (Hibernaculum) wird von den Schildkröten sowohl in der Aktivitätsphase als auch im Winter genutzt.
-Im Sommer verstecken sich die Schildkröten gern unter Haufen von Blättern, Stroh oder Rinde.
-Kleine Gartengewächshäuser als Unterschlupf. Achten Sie darauf, der Schildkröte stets die Möglichkeit zu lassen, das Gewächshaus zu verlassen, wenn sie es möchte.
Ernährung der Landschildkröte
In Gefangenschaft erhalten mediterrane und tropische Landschildkröten dieselbe Grundnahrung. Gewisse Schildkröten tropischer oder subtropischer Herkunft benötigen eine spezielle Ernährung. In jedem Fall stehen ihnen Sepiaschalen (Schulp) zur Verfügung.
Sie sind hauptsächlich Pflanzenfresser und ernähren sich in freier Wildbahn täglich von einer grossen Menge Pflanzen. Die am häufigsten gefressenen Pflanzen gehören zu den Familien der Korbblütler (Composées), Süssgräser (Graminées), Kräuter (Herbacées) und Schmetterlingsblütler (Papilionacées). Gelegentlich ergänzen sie ihren Speiseplan auch mit allerlei Nahrung: Früchten, Pilzen, trockenen Blättern, Rindenstücken und manchmal sogar Insekten, Schnecken, Nacktschnecken, Regenwürmern, Kadavern von Eidechsen, Nagetieren und anderen Säugetieren. Sie nehmen auch tierische Exkremente, Knochenstücke, Eierschalenreste und Erde auf, was ihnen den Kalk und die Mineralsalze liefert, die sie benötigen. Ebenso verschlucken sie kleine Steine, die vermutlich eine Rolle bei der Verdauung der Pflanzen spielen.
In Gefangenschaft muss man ihnen im Gehege eine Futterfläche einrichten, das heisst einen abgegrenzten Bereich, in dem man zahlreiche Pflanzenarten aussät und pflegt, etwa Löwenzahn, Kresse, Klee, Wegerich, Luzerne, Weissen Gänsefuss, Gänsedistel, Nachtkerze und Knopfkraut. Ergänzend zu diesen Pflanzen ist es ratsam, ihnen weitere zu geben: Endivien, Petersilie, Radieschenblätter, Kohlblätter, Spinat, Stangensellerie, getrocknete Feigen, Orangen, Kaktusfeigen, Lauch, Erdbeeren, Himbeeren, Heidelbeeren, Tomaten, Äpfel, Birnen, Karotten, Kürbis, Gurke, Melone, Weintrauben usw…
Man kann das Futter auf den Boden legen, und nie an dieselbe Stelle, damit die Tiere ihren natürlichen Instinkt zur Futtersuche behalten.
Unbedingt zu vermeidende Nahrungsmittel: Teigwaren, Reis, Milch, Joghurt, Käse, geschmolzene Schokolade, Kuchen, Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Hunde- und Katzenfutter. Die wiederholte Gabe ungeeigneter Nahrung verkürzt ihre Lebenserwartung erheblich.
Fortpflanzung
Die Fortpflanzung mediterraner Landschildkröten bereitet keine besonderen Schwierigkeiten, sofern gewisse Regeln beachtet werden: Das Gehege muss genügend Platz und Verstecke bieten, der biologische Rhythmus der Schildkröten (Winterschlaf, Ernährung, Ruhe) muss respektiert werden, und die Ernährung muss ausgewogen und ausreichend sein.
Während der Paarungszeit neigen die Männchen dazu, sich auf die Weibchen zu versteifen, und Verletzungen sowie Stress können bei diesen sogar zum Tod führen. Bei Arten, deren Männchen zu aggressiv ist (etwa die levantinische Landschildkröte aus der Türkei), kann man sie getrennt halten. Die Zuchtgruppe umfasst in jedem Fall immer ein einziges Männchen auf 2 Weibchen.
Einige Wochen nach den Frühjahrspaarungen sucht das Weibchen einen Eiablageplatz, der eine gute Bebrütung ihrer Eier begünstigt, und legt ein bis drei Gelege im Abstand von 2 bis 3 Wochen. Die Bebrütung der Eier dauert in der Regel zwischen 2 und 3 Monaten.
Winterschlaf
Die Schildkröten verbringen den ganzen Winter tief erstarrt, von Ende Oktober bis März.
Winterschlaf im Freien: Die Schildkröten müssen in einer Ecke des Geheges über einen Unterschlupf verfügen, vorzugsweise massiv gebaut (Holz fault mit der Feuchtigkeit rasch). Im Innern gibt man eine mindestens 15 cm dicke Schicht lockerer, leichter Erde hinein, die es den Schildkröten ermöglicht, sich leicht einzugraben. Um den gesamten leeren Raum der Hütte zu füllen, gibt man viel Stroh, Heu, Gras und trockene Blätter auf die Erdschicht.
Winterschlaf im Innern: Er erfolgt in Regionen, in denen der Winter besonders streng ist. Im Oktober gräbt sich die Schildkröte im Garten ein. Man setzt sie dann in eine mit lockerer Erde und trockenen Blättern gefüllte Kiste, in der sie sich eingräbt. Nun muss man die Kiste nur noch mit Stroh oder Heu füllen und sie mit einem stabilen Gitter gegen Nagetiere abdecken. Anschliessend stellt man die Kiste an einen Ort, an dem die Temperatur zwischen 5 und 10 °C liegt. Die Garage, der Dachboden oder der Keller sind durchaus geeignete Orte. Eine regelmässige Kontrolle (ohne übermässiges Hantieren) stellt den guten Verlauf des Winterschlafs sicher.