NAC = Neue Heimtiere (französisch « Nouveaux Animaux de Compagnie »).

Diese Abkürzung, die in den 1980er-Jahren von einem Tierarzt aus Lyon geprägt wurde, umfasst alle Heimtiere, die keine Hunde oder Katzen sind. Also sowohl Kaninchen als auch Leguane oder Papageien. Kurz gesagt gehören zu dieser Gruppe die Kleinsäuger, Kaninchen, Nagetiere und Frettchen sowie Reptilien, Vögel, Fische, Amphibien, Spinnentiere, Insekten usw.

Nagetiere sind also ebenfalls Neue Heimtiere; zu ihnen zählen Meerschweinchen, Chinchillas, Ratten, Mäuse, Hamster, Rennmäuse, Degus, koreanische Streifenhörnchen … Das Kaninchen ist im strengen Sinne kein Nagetier, sondern ein Hasenartiger (Lagomorphe).

Die Grenze zwischen Heimtieren und Wildtieren ist bisweilen schwierig zu ziehen. Zum Beispiel gehört unser einheimischer Igel zur einheimischen Wildfauna und darf ohne kantonale Bewilligung nicht gehalten werden. Dann gibt es die Igel aus Madagaskar, die zur dortigen Fauna gehören und für uns somit exotisch sind, bei uns aber wie ein Neues Heimtier gehalten werden. Ein weiteres Beispiel: Auch das Meerschweinchen zählt seit Langem zu unseren Heimtieren, doch sein einziger Nutzen als Haustier in Lateinamerika ist kulinarischer Art.

Es sind diese kulturellen und geografischen Unterschiede, die die Behörden dazu veranlassen, gewisse Massnahmen anzuordnen, darunter eine feste Gesetzgebung mit Haltebewilligungen je nach Art und Grösse. Zudem fallen gewisse Tierarten unter die CITES-Bestimmungen, insbesondere was den Handel und das Überschreiten der Grenzen betrifft.

Hier 2-3 Punkte, die man vor dem Adoptieren oder Kauf eines Tieres exotischer Herkunft im Kopf behalten sollte:

  • Die Herkunft prüfen: Das Tier darf nicht vom Schwarzmarkt stammen
  • Niemals ein Tier im Ausland kaufen (zum Beispiel in den Ferien) und heimlich einführen. Man beteiligt sich an einem unkontrollierten Markt und importiert zudem mehr Ärger als Freude (Illegalität, Krankheiten, Kosten, Leiden des Tieres – kurz: am Ende häufig Euthanasie und eine Busse)
  • Die erforderlichen Bewilligungen sowie das für sein Wohlergehen nötige Material überprüfen
  • Die Rechnung verlangen: stets einzufordern und aufzubewahren
  • Schliesslich sollte man sich Gedanken machen, denn je nach Tier – vor allem bei exotischen – ist bekannt, dass es zu untragbaren Fängen kommt, etwa zur massiven Zerstörung von Korallen mit Dynamit, um bestimmte Fische zu fangen, oder zu ungeregelten Fängen. Zudem kommt es während des Transports in das Verkaufsland zu erheblichen Verlusten (mitunter 50 bis 80 %)…

Beteiligen Sie sich nicht an zwielichtigem Handel mit Tieren ungewisser Herkunft!

Und wo liegt das Vergnügen, ein Tier zu sehen, das sich in einem Käfig zu Tode hungert, weil es in freier Wildbahn gefangen wurde – selbst wenn es schön ist? Es droht so schnell zu verkümmern, dass seine Schönheit sehr vergänglich sein wird, im Gegensatz zum Loch im Portemonnaie oder zur Last auf dem Gewissen.

Darum werden trotz der « Moden » des Ausgefallenen die klassischeren Nagetiere, Frettchen und anderen seit Langem domestizierten Neuen Heimtiere glücklicherweise stets die Gunst des Publikums geniessen.

Ganz allgemein kann eine tierärztliche Kontrolle vor oder zumindest nach dem Kauf zur Überprüfung des Gesundheitszustands von Nutzen sein.

Die Website des BLV informiert über die CITES-Bestimmungen, über Vorschriften zu Einfuhr, Haltung und Handel in der Schweiz; die Haltebewilligungen werden von den kantonalen Behörden erteilt.

BLV-Website: www.blv.admin.ch
CITES-Website: https://www.cites.org/

Gibt es « echte » Heimtier-Spezialisten? Die Ausbildung in der Schweiz

Das Veterinärstudium in der Schweiz behandelt das Thema der Neuen Heimtiere nicht und beschränkt sich auf Hunde und Katzen sowie auf Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde. Ein Meerschweinchen oder ein Kaninchen kann kurz erwähnt werden, mehr aber nicht.

Anderswo in Europa variiert das Interesse je nach Land, und häufig sind es die Länder Mitteleuropas, die am ehesten Kurse anbieten, die eigens den Neuen Heimtieren gewidmet sind.

Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte, die sich für eine Weiterbildung zu Neuen Heimtieren interessieren, nehmen diese daher aus eigenem Antrieb nach dem Studium in Angriff und müssen sich oft an ausländische Weiterbildungsgruppen oder gar an europäische oder internationale Weiterbildungsstrukturen wenden.

Derzeit gibt es jedoch keinen Spezialisierungstitel im eigentlichen Sinne, der von einer anerkannten Ausbildungsstätte verliehen wird. Umgangssprachlich spricht man von einem « Heimtier-Spezialisten », doch der Titel als solcher sollte nicht geführt werden und ist irreführend.

Das gleiche Problem findet sich im Übrigen auch bei anderen Interessengebieten oder ergänzenden Leistungen der Tierärztin oder des Tierarztes: echte anerkannte Spezialistentitel sind noch relativ selten.

In der Schweiz sind die Tierärztinnen und Tierärzte oft bereit, über ihre Leistungsbereiche Auskunft zu geben oder – etwa bei Reptilien oder Frettchen, wenn sie diese Arten nicht behandeln – auf mögliche Berufskolleginnen und -kollegen zu verweisen.

Von den 2 veterinärmedizinischen Fakultäten in Bern und Zürich ist es vor allem Zürich, das eine Abteilung für exotische Tiere beherbergt, gemäss der deutschen Terminologie.