1. Klassifizierung
  2. Biologische und physiologische Besonderheiten
  3. Haltungsbedingungen
  4. Krankheitsschwerpunkte
Ratte in der KonsultationWerden Ratten häufig in der Konsultation vorgestellt, nachdem sie eine Infektions- oder Parasitenkrankheit entwickelt haben, liegt die ursprüngliche Ursache oft in einer schlechten Haltung. Solange die Lebensbedingungen des Tieres nicht geändert werden, bleibt die Krankheit bestehen oder kehrt wieder.

Klassifizierung

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Nagetiere
Unterordnung: Sciurognathi
Familie: Muridae
Unterfamilie: Murinae
Gattung: Rattus
Art: norvegicus
Trivialname: Farbratte, Heimratte

Biologische und physiologische Besonderheiten

  • Adultgewicht des Männchens: 450-500g.
  • Adultgewicht des Weibchens: 250-300g.
  • Gesamtlänge: 35-50 cm.
  • Länge des Schwanzes: 17-23 cm.
  • 4 Zehen an den Vordergliedmassen und 5 Zehen an den Hintergliedmassen.
  • Zahnformel:
Oberkiefer 1 0 0 3
I C PM M
Unterkiefer 1 0 0 3

Biologische Parameter

  • Die Ratte hat eine gemischte, aber vor allem dämmerungs- und nachtaktive Aktivität. Sie ist das ganze Jahr über aktiv. Sie ist in der Lage, sehr harte Materialien zu benagen. In freier Wildbahn legt die Ratte Baue mit mehreren Eingängen in den Uferböschungen von Gewässern an.
  • Das Sozialsystem der Ratte besteht aus hierarchisch gegliederten Familiengruppen. Die Einzelhaltung ist verboten.
  • Die Ratte hält keinen Winterschlaf.
  • Sie lebt 2 bis 3 Jahre und hat eine Körpertemperatur von 36-37.5°C.

Physiologie der Fortpflanzung

Männchen und Weibchen sind mit 60 Tagen geschlechtsreif, und die Paarungszeit dauert das ganze Jahr.
Der Zyklus des Weibchens dauert 4-5 Tage, sein Eisprung ist spontan.
Die Trächtigkeit beträgt 20-23 Tage. Es kann 6-12 Junge pro Wurf geben, und das Weibchen kann 4-5 Würfe pro Jahr haben.
Bei der Geburt haben die Jungen die Augen geschlossen, dann öffnen sie sie im Alter von 13-15 Tagen. Sie wiegen 5-6g. Die Jungen sind im Alter von 21 Tagen abzusetzen. Direkt nach der Geburt sollte man das Weibchen nicht berühren, da es seine Jungen fressen könnte.

Achtung, man muss die Eltern vor der Geburt trennen, sonst ist das Paar in weniger als 12 Stunden danach bereits wieder fortpflanzungsfähig.

Ernährung

Die Ratte ist ein allesfressender Nager, der 30-40g Nahrung pro Tag frisst. Eine vollständige Rattenmischung aus dem Handel mit 20-27 % Protein ist für sie geeignet. Man kann ihr auch eine Haushaltsration mit Körnern, grünem Gemüse, Karotten, Äpfeln und etwas Fleisch geben; aber Achtung, die Ratte hat eine Veranlagung zu Übergewicht, ihre Ration ist zu begrenzen.

Lebensraum

Der Käfig muss geräumig sein, 100x50x70 cm für 2 Ratten, idealerweise aber 2 bis 4 Ratten, mit 2m2 Grundfläche und 2m Höhe. Man kann ein Gehege vom Typ Voliere mit Etagen oder einen Schrank haben. Kein Terrarium. Als Einstreu eignen sich Hanfeinstreu, allenfalls Buchenspäne oder Maisspäne gut. Die Einstreu sollte zweimal pro Woche gewechselt werden. Man bringt verschiedene Etagen, Verstecke, Rückzugsmöglichkeiten, Leitern und Äste an, darunter zum Benagen (Haselnuss, Buche, unbehandelte Obstbäume). Idealerweise sollte der Käfig in einem Raum stehen, in dem die Umgebungstemperatur 18-26°C beträgt, und die Luftfeuchtigkeit sollte zwischen 40-70% liegen.

Fixieren

Um eine Ratte richtig zu halten, muss man sie mit einer Hand an der Haut zwischen den Ohren und mit der anderen Hand am Schwanzansatz festhalten. Vermeiden Sie die Schwanzspitze, die zwischen den Fingern verrutschen kann.

Krankheitsschwerpunkte

Atemwegserkrankungen

Atemwegserkrankungen infektiösen Ursprungs stellen die häufigsten Störungen bei der Ratte dar. Zwei grosse klinische Syndrome können angetroffen werden:

  • Die chronische Atemwegserkrankung: Sie wird durch eine Bakterie namens Mycoplasma pulmonis verursacht, deren krankmachende Wirkung in Anwesenheit eines Virus namens Sendai-Virus oder auch des respiratorischen Synzytialvirus verstärkt wird. Die klinischen Zeichen sind wegweisend: durch Anstrengung verstärkte Atemnot, Gewichtsverlust, Nasenausfluss (aus der Nase austretendes Sekret), Nasenbluten. Eine Reihe von Faktoren begünstigt die Entwicklung der Krankheit: ein zu hoher Ammoniakgehalt (der Ammoniakgehalt sollte unter 10ppm liegen), eine genetische Veranlagung, ein Mangel an Vitamin A und E, dann die Anwesenheit des Sendai-Virus und jene des respiratorischen Synzytialvirus. In der Regel beseitigt die vom Tierarzt durchgeführte Behandlung den Erreger nicht vollständig, sie muss daher wiederholt werden.
  • Die Lungenentzündung: Sie wird durch einen Streptokokkus verursacht. Ihr Auftreten ist plötzlich und schwer, plötzliche Todesfälle sind häufig. Die erwachsenen Tiere zeigen Atemnot, eine abdominale Atmung und einen eitrigen Nasenausfluss, der die Nasenlöcher und die Pfoten beschmutzt. Neben den Streptokokken gibt es einen zweiten ursächlichen Erreger im Fall einer Immunschwäche (Tumor, Diabetes, Ernährungsmängel), es handelt sich um «corynebacterium kutscheri». Die Diagnose stützt sich auf die klinischen Zeichen sowie die Identifizierung des Keims durch eine Kultur.

Tumorerkrankungen

Die Folgen der Tumoren variieren je nach Alter, Geschlecht, Ernährung, Allgemeinzustand und hängen von endokrinen und umweltbedingten Faktoren ab.

Krankheitsschwerpunkte

Epidemiologisch:

  • Gesäugetumoren zwischen 12 und 24 Monaten
  • Hämato-lymphopoetische Tumoren nach 2 Jahren
  • Eierstock- und Hodentumoren wenig häufig, mit Ausnahme der Tumoren der Leydig-Zellen.

Begünstigende Faktoren:

  • Krankheiten und Degenerationsprozesse in Verbindung mit einem raschen Wachstum und einem höheren Gewicht.
  • Die Isolierung begünstigt die Entwicklung von Tumoren bei Nagern.
  • Der übermässige Gehalt an Kalzium und Phosphor, aber der Mangel an Magnesium in den kommerziellen Nagerfuttern würden indirekt eine Tumorerkrankung der Harnwege hervorrufen.
  • Chronische Infektionen viralen oder bakteriellen Ursprungs würden die Entwicklung von Tumoren der hämato-lymphopoetischen Gewebe bei Nagern begünstigen.

Häufige Tumoren bei den Männchen:

  • Die Männchen haben vor allem Tumoren der endokrinen Drüsen
  • Tumoren der Hirnanhangdrüse
  • Gesäugetumoren, die beim Männchen häufig sind und morphologisch mit den beim Weibchen beobachteten identisch sind.
  • Tumoren der Leydig-Zellen, die vor allem mit dem Alter häufig sind, beidseitig und in 90% der Fälle gutartig.

Häufige Tumoren bei den Weibchen:

  • Die Tumorhäufigkeit ist beim Weibchen höher.
  • Gesäuge-Fibroadenome
  • Gebärmutterpolypen, können mitunter Ursache vaginaler Blutungen sein.
  • Hypophysenadenome, die durch eine zu proteinreiche Ernährung begünstigt werden können; nicht sezernierend und gut abgegrenzt, können sie eine intrakranielle Kompression mit Nervenstörungen und manchmal Atemstörungen ausüben.

Die Gesäugetumoren:

Das Wachstum der Milchdrüsen ist hormonabhängig: zunehmende Entwicklung im Verlauf mehrerer Zyklen, dann eine senile Rückbildung im Laufe des zweiten Jahres. Die Gesäugetumoren sind von 3 verschiedenen Typen:

  • Die Läsionen der lobulären Hyperplasie, die häufig sind. Ihr Durchmesser kann 8-10 Zentimeter erreichen. Es sind Vorläuferzeichen von Gesäugetumoren.
  • Die fibroepithelialen Tumoren oder Fibroadenome sind ebenfalls häufig (26%), insbesondere bei den Sprague Dawley. Sie sind gut abgegrenzt, fest, oval oder rund, gutartig.
  • Die Adenokarzinome sind selten (10%). Sie sind durch hämorrhagische, ulzerative und nekrotische Läsionen gekennzeichnet.

Aufgrund der sehr grossen Ausdehnung des Gesäugegewebes können Gesäugetumoren in praktisch jedem subkutanen Bereich beobachtet werden. Die chirurgische Entfernung macht die Prognose gut, wenn der Tumor gutartig ist. Die Häufigkeit von Gesäugetumoren ist bei sterilisierten Weibchen geringer. Die Rückfälle von Fibroadenomen sind dennoch häufig.

Die beiden Geschlechtern gemeinsamen Tumoren:

Eine Reihe von Tumoren betrifft Männchen und Weibchen.

  • Hauttumoren: Fibrome, Fibrosarkome und Lymphome.
  • Tumoren des hämatopoetischen Systems: maligne Lymphome, myeloische Leukämien, Histiosarkome, Fibrosarkome.
  • Schilddrüsentumoren: Adenome.
  • Tumoren des peripheren Nervensystems: Sie sind meist nur histologische Zufallsbefunde.

Hauterkrankungen

  • Räuden mit Enthaarung, Juckreiz und Krusten
  • Pseudoräuden mit lokalisierten krustigen Läsionen
  • Mykosen mit runden Enthaarungen
  • Bakterielle ulzerative Hautentzündung
  • Trockene Gangrän des Schwanzes

Verdauungserkrankungen

  • Zahnfehlstellung (Malokklusion)
  • Sialodakryoadenitis viralen Ursprungs

Harnwegserkrankungen

  • Chronische Nephritis

Augenerkrankungen

  • Chromodakryorrhoe oder rote Tränen, oft mit Stress verbunden

Zoonosen

  • Mykosen
  • Taenia
  • Lymphozytäre Choriomeningitis