Die Deslorelin-Implantate sind 2009 endlich in die Schweiz gekommen. Sie sind in der Schweiz als interessante Alternative zur chirurgischen Kastration von Hunden zugelassen.

Aber warum einen Rüden kastrieren? Es gibt hauptsächlich 3 Gründe:

-Um einen Deckakt mit einer Hündin in seinem Umfeld zu verhindern,

-Um eine übermässige Libido und das Harnmarkieren zu beruhigen. Achtung, ein Hund, der ausbüxt, ist nicht zwangsläufig ein Opfer übermässiger Sexualhormone!

-Aus medizinischen Gründen (Prostatahyperplasie, Hodentumor usw.).

Die chirurgische Kastration ist nach wie vor die am häufigsten angewandte Methode, sie ist endgültig und irreversibel. Sie hat den Vorteil, dass nach 10 Tagen mit Fäden nicht mehr davon die Rede ist!

In bestimmten Fällen ist eine reversible Methode interessant:

-Bei einer vorübergehenden, mit Testosteron zusammenhängenden Erkrankung oder bei sehr hohem Alter oder schlechtem Gesundheitszustand des Hundes, der eine Narkose riskant macht.

-Um den Deckakt eines Zuchtrüden, der inmitten von Zuchthündinnen lebt, auf später zu verschieben

-Bei Zweifeln an einem Verhaltensproblem (z. B. Ausbüxen)

Das Implantat wird beim Tierarzt gesetzt; es handelt sich um die Injektion eines 1,2 cm langen Objekts zwischen die Schulterblätter des Hundes. Der Wirkstoff wird über 6 Monate konstant freigesetzt (bei kleinen Rassen möglicherweise länger) und hemmt indirekt die Produktion von Testosteron und anderen Hormonen. Bei Bedarf kann das Implantat alle 6 Monate erneut gesetzt werden.

Nach dem Setzen des Implantats ist mit einer Frist von 6 Wochen zu rechnen, bevor der Hund unfruchtbar ist, da noch eine gewisse Zeit Samen gespeichert bleibt.

Nach dem Setzen des Implantats wird oft eine Zunahme der testosteronbedingten Effekte beobachtet; diese Zunahme ist während rund zehn Tagen vorübergehend, kann aber sehr stark sein. Aus diesem Grund ist das Setzen des Implantats bei aggressiven Rüden nicht zu empfehlen, da die Aggressivität in den Tagen nach dem Setzen des Implantats erheblich zunehmen kann.

Weitere Indikationen für dieses Implantat bestehen in anderen Ländern oder auf experimenteller Basis, wobei die Fristen und Risiken dann variieren können. Zum Beispiel zur Steuerung der Fortpflanzungsfunktion bei der Hündin, wobei die mit dieser Anwendung verbundenen Risiken jedoch noch nicht vollständig bekannt sind, oder bei Erkrankungen der Nebennieren (Hyperadrenokortizismus) bei Frettchen, männlich oder weiblich.

Ganz allgemein gehört das Deslorelin-Implantat heute zum Repertoire des Tierarztes, wenn es um Entscheidungen rund um die Fortpflanzungsfunktionen der Tiere geht, auch wenn die endgültige Operation nach wie vor die mehrheitlich genutzte Lösung bleibt.