- Die Ursprünge
- Die Klassifikation
- Biologische und physiologische Besonderheiten
- Die Haltungsbedingungen
- Die wichtigsten Krankheitsbilder
Die Ursprünge
Bereits vor 3’000 Jahren von den Inka domestiziert, wurde das Meerschweinchen im 16. Jahrhundert von den spanischen Konquistadoren nach Europa gebracht. Ab dem 19. Jahrhundert Labortier, dann Heimtier-Nagetier, wird es von den peruanischen Quechua-Indianern noch heute für sein Fleisch gezüchtet.
Die Klassifikation
| Klasse: | Säugetiere |
| Ordnung: | Nagetiere |
| Unterordnung: | Hystricognatha (Wilson und Reeder) oder Caviomorpha oder Hystricomorpha |
| Familie: | Caviidae |
| Gattung: | Cavia |
| Art: | porcellus |
| Gebräuchlicher Name: | Meerschweinchen |
Die Familie der Caviidae umfasst rund fünfzehn Arten, alle südamerikanisch: den Mara oder Patagonischen Hasen und die eigentlichen Meerschweinchen: G. Cavia, G. Galea, G. Microcavia (Bergmeerschweinchen), G. Kerodon (Felsenmeerschweinchen).
Biologische und physiologische Besonderheiten
Anatomische Merkmale
- Adultgewicht des Männchens: 500-1’200 g.
- Adultgewicht des Weibchens: 700-900 g.
- Körperlänge: 20-25 cm.
- Pfoten: 4 Zehen an den Vordergliedmassen und 3 Zehen an den Hintergliedmassen.
- Zahnformel:
| Oberkiefer | 1 | 0 | 1 | 3 |
| I | C | PM | M | |
| Unterkiefer | 1 | 0 | 1 | 3 |
Das Meerschweinchen ist durchgehend tag- und nachtaktiv, mit abwechselnd kurzen Aktivitäts- und Ruhephasen von gleicher Bedeutung, verteilt über den gesamten Tag-Nacht-Zyklus. Man kann auch einige Aktivitätsspitzen in der Dämmerung beobachten. Das Meerschweinchen ist ein im Klettern und Springen wenig geschicktes Tier und beisst in der Regel nicht.
Sozialsystem
In der Natur findet man sie in Kolonien von 5-10 Tieren; sie sind aktiv, aber scheu und leben in Bauen. Ein Zusammenleben mit dem Hauskaninchen ist möglich, aber eher abzuraten. Jedes Männchen grenzt sein Revier ab, in dem es mit mehreren Weibchen und den Jungen leben kann. Die Einzelhaltung ist verboten! Verhalten
Die Kommunikation erfolgt über Reviermarkierung (Analdrüsen), Geruch (Nestgeruch), Pfeiflaute (= Ruf). Kontaktverhalten, Dominanz-Unterordnung, Verteidigung, Reaktion auf einen Reiz.
Das Meerschweinchen hält keinen Winterschlaf. Seine Temperatur beträgt 37.2-39.5°C. Es lebt 4 bis 8 Jahre.
Die Fortpflanzungsphysiologie
Alter der Geschlechtsreife:
- Männchen 10 Wochen (300-400g)
- Weibchen 6 Wochen (200g)
Ideales Fortpflanzungsalter:
- Männchen 3-4 Monate
- Weibchen 2-3 Monate und vor 8 Monaten.
- Sie können sich das ganze Jahr über fortpflanzen. Der Zyklus des Weibchens dauert 15 bis 17 Tage, und es hat einen spontanen Eisprung, der 10 Stunden nach dem Östrus erfolgt. Die Trächtigkeit dauert 59 bis 72 Tage; etwa eine Woche vor der Geburt weicht die Schambeinfuge auseinander. Achtung: 12-15 Stunden nach der Geburt kann das Weibchen erneut vom Männchen befruchtet werden.
- Die Jungen haben bei der Geburt offene Augen, sind mit Zähnen versehen und wiegen 70-110 g. Das Meerschweinchen-Weibchen kann 2-3 Junge und 2-3 Würfe pro Jahr haben, es sind aber auch 4-5 Würfe möglich.
- Die Jungen werden im Alter von 2-4 Wochen abgesetzt.
- Proteine: 8.1%
- Fette: 3.9%
- Kohlenhydrate: 3%
- Kalorien: 77 cal pro 100g.
Künstliche Aufzucht:
- 80% Vollmilch (Kuhmilch) mit 20% Wasser mischen und Vitamin C zugeben (auf 38° erwärmt)
Ernährung
Das Meerschweinchen ist ein strikt pflanzenfressendes Tier, zudem ein grosser Fresser und ein grosser Verschwender. Seine Ernährungsgewohnheiten sind rasch gefestigt und nur schwer zu ändern.
- Heu ist seine Hauptnahrung, es muss ihm unbegrenzt zur Verfügung stehen. Es muss von guter Qualität und staubfrei sein.
- Man ergänzt Gemüse für das Vitamin C; bevorzugen Sie grünes Blattwerk (Stangensellerie, Karottengrün, Radieschengrün, Küchenkräuter, Löwenzahn…), Chicorée, Peperoni, Gurke, Fenchel usw.
- Gelegentlich kann man Granulat oder spezifische Alleinfuttermischungen (Pellets) geben.
- Nicht zu viel Obst geben (nicht täglich): Apfel, Birne, Erdbeere, Waldbeeren. Entfernen Sie Kerne und Steine.
Das Meerschweinchen frisst seinen Kot.
Die Darmpassage des Meerschweinchens ist langsam. Die aufgenommene Nahrung lagert sich in übereinanderliegenden Schichten entlang des Verdauungstrakts ab; deshalb darf es nie zu lange ohne Nahrung bleiben.
Lebensraum
- Der Käfig muss mindestens 100×50 cm messen, also 0.5m2 Bodenfläche für 2 Tiere, und pro zusätzliches Tier rechnet man 0.2m2. Idealerweise sollte die Grundfläche am Boden für 2 bis 5 Meerschweinchen 2, ja sogar 4m2 betragen. Die Fläche kann über Etagen erweitert werden. Bei einem Aussengehege ist auf die Gefahr des Eindringens von Raubtieren zu achten.
- Als Einstreu kann man Heu, Stroh, Baumrinde oder Stoffe verwenden. Als Zubehör finden sich ein Unterschlupf, eine Raufe, ein Futternapf und ein Wassernapf oder eine senkrechte Trinkflasche sowie Nagematerial (Zweige von Haselnuss- oder Obstbäumen). Die Zahl der Verstecke muss der Zahl der Tiere entsprechen. Keine steilen Rampen.
- Für optimales Wohlbefinden sollte das Meerschweinchen eine Umgebungstemperatur zwischen 18-24°C haben, sie darf jedoch nicht unter 10°C und nicht über 32°C liegen.
- Die Beleuchtungsdauer sollte zwischen 12-14 Stunden liegen, die Intensität des künstlichen Lichts 30-40 Lux.
- Die Luftfeuchtigkeit beträgt 50%, kann aber zwischen 30% und 70% liegen.
Fixierung
- Man umfasst den Körper mit einer Hand und achtet darauf, den Brustkorb nicht zu quetschen; die andere Hand stützt das Hinterteil bei schweren Tieren oder trächtigen Weibchen.
- Das Meerschweinchen beisst selten und lässt sich leicht handhaben, ist aber schnell erschreckt.
Die wichtigsten Krankheitsbilder
Zahnerkrankungen: Zahnfehlstellung (Malokklusion) der Schneide- und/oder Backenzähne, Zahnabszess, Schneidezahnfraktur
Erkrankungen des Verdauungssystems: Durchfall, Dysbiose, Magenerweiterung, Darmstillstand, Parasitose
Hauterkrankungen: Mykose, Räude und andere Parasiten (Läuse…), Pododermatitis
Atemwegserkrankungen: Rhinitis, Lungenentzündung
Erkrankungen der Fortpflanzung: Eierstockzysten, Unfruchtbarkeit physiologischen oder infektiösen Ursprungs, Sterblichkeit infektiösen oder anderweitigen Ursprungs (Toxämie, Dystokie usw.), Verlassen der Jungen und Kannibalismus (schlechte Haltungsbedingungen, erstgebärendes Weibchen), Gesäugeentzündungen.
Erkrankungen der Harnwege: Blasenentzündung, Urolithiasis, chronische Niereninsuffizienz, interstitielle Nephritis.
Erkrankungen des Ohrs: Mittelohrentzündungen, Folgen von Infektionen der oberen Atemwege, Innenohrentzündungen, Schiefhaltung des Kopfes.
Augenerkrankungen: bakterielle Bindehautentzündung, Hornhautentzündung durch Hypovitaminose A, Hornhautgeschwür, Stromanekrose, Katarakt (grauer Star).
Tumorerkrankungen: Lymphosarkom, myeloische Leukämie, Lymphom, Lungenadenom, Hauttumoren, Gesäugetumoren (Fibroadenom), Gebärmuttertumoren, oft mit Eierstockzysten verbunden.