Es kann beruhigend sein zu wissen, dass die meisten Tierarztpraxen in der Schweiz in einem Notfalldienst organisiert sind, der es Tierhaltern erlaubt, an jedem Tag und zu jeder Uhrzeit einen Tierarzt zu erreichen. Es genügt, die gewohnte Tierarztpraxis anzurufen, um über den Anrufbeantworter die zu wählende Nummer zu erhalten. Unbedingt zu vermeiden sind die Telefonauskunftsnummern, die einem oft die falsche Nummer für die falsche Region angeben!

In den kleinen Strukturen unserer Regionen landet der Anruf meist direkt beim diensthabenden Tierarzt und nicht in einer Telefonzentrale. Dieser ist zusätzlich zu seinen üblichen Arbeitszeiten verfügbar und muss die Anrufe oft von zu Hause aus betreuen.

Deshalb ist es zwingend, vor der Fahrt anzurufen — sonst riskiert man, vor verschlossener Tür zu stehen. Das kann schnell einen Zeitverlust und zusätzlichen Stress bedeuten.

Der Begriff des Notfalls ist sehr relativ und hat je nach Blickwinkel nicht immer dieselbe Bedeutung.

1. Es gibt die unmittelbaren Notfälle, die zum Glück letztlich selten sind: Unfallopfer mit Mehrfachverletzungen (Strasse, Zug usw.), Verdrehungen (Torsionen) der Verdauungsorgane, anhaltende epileptische Anfälle (Status epilepticus), Herzversagen, schwere Angriffe oder Gewalteinwirkungen (durch andere Tiere, Menschen …), Blutungen usw. Kurz gesagt: Notfälle, welche die lebenswichtigen Funktionen des Tieres betreffen. So schnell wie möglich dem Tierarzt zeigen.

2. Die Notfälle des Tages: alles, was mit leichten Schmerzen einhergehen kann, Bisse, Durchfall/Erbrechen, Verletzungen ganz allgemein und an beliebiger Stelle, Probleme der Harnwege, Euthanasie bei einem Tier, dessen Zustand sich stark verschlechtert, usw. Die meisten Notfallkonsultationen gehören in diese Gruppe. Gewisse Erkrankungen erfordern rasch noch am selben Tag einen Besuch (z. B. eine Katze, die nicht mehr urinieren kann, auch wenn das Problem schon seit mehreren Tagen besteht), andere können manchmal beobachtet oder in den folgenden Tagen angeschaut werden.

3. Die Notfälle, die keine sind: Termine, die aus Bequemlichkeit gewünscht werden (an einem Feiertag hat man Zeit), Beschwerden, die seit mehreren Tagen andauern, ohne dass es dem Tier schlechter geht, Kratzer, Verhaltensprobleme (ausser eventuell plötzlich auftretende Aggressivität).

Bereits am Telefon erkundigt sich der Tierarzt nach den Warnzeichen oder Symptomen; einige davon sind übrigens nicht immer aussagekräftig genug für das eigentliche Problem. Es ist wichtig, präzise zu sein und die Veränderungen, die der Grund des Anrufs sind, aufmerksam beobachtet zu haben.

Manche Probleme lassen sich manchmal schon durch telefonische Ratschläge lösen oder zumindest stabilisieren, andere auch durch kurzes Überlegen seitens des Halters. Tiere sind wie wir, und oft gibt es keinen Grund zur Panik — etwa nach einer Durchfallepisode, wenn sich das Tier weiterhin normal verhält.

Der Notfalldienst bedeutet oft eine Fahrt in eine unbekannte und weiter entfernte Praxis, doch das Tier wird dort rasch versorgt. Die Bezahlung des Honorars wird unmittelbar nach dem Besuch verlangt, und es wird immer ein Zuschlag verrechnet, dessen Höhe sich nach Uhrzeit oder Feiertag richtet.