Vétérinaires Sans Frontières Suisse ( VSF – Suisse ) hat vor einigen Monaten eine kleine Broschüre über die vom Tier auf den Menschen übertragbaren Krankheiten – die Zoonosen – herausgegeben. Die sehr umfassende Broschüre stösst beim Publikum auf grosses Interesse, dem diese Krankheiten oder vielmehr ihre Ansteckungsgefahr oft unbekannt sind. Hier ein kurzer Überblick über die darin behandelten Themen.

Dermatomykosen

Die häufigsten Zoonosen sind meiner Meinung nach die Pilzerkrankungen der Haut, also die Hautmykosen (Mykosen). Diese Hautpilze (oder Dermatophyten) werden leicht durch direkten oder indirekten Kontakt übertragen. Die Läsionen sind oft rund, leicht gerötet, mit Schuppen oder Krusten und Haarausfall. Während diese Läsionen das Tier nur wenig jucken, verursachen sie beim Menschen häufiger Brennen oder Juckreiz. Kinder, ältere Menschen oder Personen mit geschwächtem Immunsystem (Chemotherapie, Transplantierte, HIV-positiv) sind anfälliger. Nachweis, Therapie und Hygienemassnahmen werden in der oben genannten Broschüre sorgfältig beschrieben.

Die Ektoparasiten

Die Flöhe

Flöhe mögen tierisches Blut, können sich aber notfalls auch vom Menschen ernähren. Die häufigste Art ist der Katzenfloh (Ctenocephalides felis). Ihre Stiche (zahlreiche rote Punkte) jucken und können bei empfindlichen Personen eine Flohstichallergie auslösen. Die Flohvorbeugung beim Tier ist wichtig, um dieses Problem möglichst zu vermeiden. Sind die Flöhe bereits vorhanden, darf man nicht vergessen, neben der Katze, dem Hund oder dem betroffenen Tier auch die Umgebung zu behandeln, da sich 95% der Belastung dort in Form von Eiern und Larven befinden! Der Floh überträgt zwar bei Fleischfressern einen Magen-Darm-Wurm vom Typ Dipylidium, ist aber nicht dafür bekannt, ausser der Allergie andere Krankheiten auf den Menschen zu übertragen.

Die Zecken

Diese Spinnentiere können für die Tiergesundheit ebenso gefährlich sein wie für die des Menschen. Der Stich kann zwar eine lokale Reaktion hervorrufen, gefürchtet ist er aber vor allem wegen der übertragenen Krankheiten. In der Schweiz können Zecken unter anderem die Piroplasmose (oder Babesiose) beim Hund (und beim Vieh), die Ehrlichiose (bekannt beim Hund und auch beim Vieh), die Borreliose bei Hund und Mensch (in diesem Fall Lyme-Krankheit genannt) oder die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen, die im Norden des Landes häufiger ist.

Einige dieser Krankheiten lassen sich vermeiden, indem man die Zecke rasch entfernt. Am besten fasst man die Zecke fein und zieht sie sanft heraus, während man eine Drehbewegung im Uhrzeigersinn ausführt. Niemals Öl, Essig oder ein anderes Produkt auf die Zecke geben und niemals ohne Drehbewegung entfernen. Zeckenmittel (für Tiere) schützen ebenfalls wirksam, wenn sie korrekt und regelmässig angewendet werden.

Weitere Ektoparasiten

Cheyletiella, Entenflöhe (Zerkarien) und Herbstmilben können ebenfalls Rötungen und Juckreiz bei Tieren oder Menschen hervorrufen.

Die Endoparasiten

Toxocara

Die Magen-Darm-Würmer der Gattung Toxocara leben im Inneren des Dünndarms. Die Larven stellen die grössere Gefahr dar, da sie im Körper wandern und schwere Folgen verursachen können. Diese Würmer finden sich bei Hund und Katze, hauptsächlich bei Jungtieren, und stecken den Menschen an, vor allem Kinder. Die Eier sind sehr klebrig und überdauern problemlos in der Umgebung. Die Symptome reichen von der Verdauungsentzündung bis zu allerlei Erkrankungen im Zusammenhang mit der möglichen Larvenwanderung (hauptsächlich Symptome der Atemwege). Die Vorbeugung erweist sich auch hier als äusserst wichtig und besteht – wie die Therapie – im Entwurmen.

Echinococcus multilocularis

Der Fuchsbandwurm kommt ebenfalls in der Schweiz vor. 30% der Schweizer Füchse sollen mit den erwachsenen Würmern infiziert sein, die sich im Dünndarm einnisten. Auch Hunde und Katzen sind dafür bekannt, diesen Parasiten zu beherbergen. Diese Tiere sind also die Endwirte dieses Parasiten. Der Mensch infiziert sich durch die Aufnahme von Eisegmenten des Wurms (z. B. rohe Waldbeeren) und dient als Zwischenwirt für die Entwicklung des Echinococcus. Während der Parasit bei den Fleischfressern keine Krankheiten verursacht, löst er beim menschlichen Zwischenwirt eine als alveoläre Echinokokkose der Leber (AE) bezeichnete Krankheit aus: Der Parasit entwickelt sich nämlich in der Leber und kann «Metastasen» in anderen Organen verursachen. Die Zeit zwischen der Infektion und dem Auftreten der Symptome beträgt 10 bis 15 Jahre. In der Schweiz werden 8 bis 10 neue AE-Fälle pro Jahr beobachtet. Dank der Fortschritte der Medizin liegt die Überlebensrate über 10 Jahre bei 90% (ohne Behandlung beträgt die Sterblichkeit 90%). Doch nicht alle infizierten Personen entwickeln eine AE. Es scheint also, dass gewisse Menschen eine Resistenz gegen diese Krankheit besitzen.

Die Vorbeugung oder Behandlung des Tieres besteht erneut darin, an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen gegen den Echinococcus wirksame Entwurmungsmittel zu verabreichen sowie alle möglicherweise befallenen Lebensmittel zu kochen. Die Therapie beim Menschen ist komplexer und erfordert Chirurgie und eine langdauernde Chemotherapie.

Weitere Parasitosen

Die Toxoplasmose oder die Leishmaniose (häufiger in warmen bis tropischen Gebieten) verursachen ebenfalls Krankheiten bei Tieren und Menschen. Diese Krankheiten haben ernsthafte Folgen und werden in der Broschüre von VSF-Suisse ausgezeichnet beschrieben.

Weitere Krankheiten, die Zoonosen verursachen

Die Tollwut, die Gegenstand eines nächsten Monatstipps sein wird, die Tuberkulose, die leider immer noch weltweit vorkommt, und die Krankheiten der Grosstiere wie BSE (Rinderwahnsinn) oder der Milzbrand (= Anthrax, derzeit politisch wiederentdeckt) sind weitere schwere Zoonosen, die ebenfalls in der Broschüre erläutert werden.

Diese Broschüre ist bei VSF-Suisse erhältlich, www.vsf-suisse.ch