
Alle Tierarten können an Verhaltensstörungen leiden, und diese lösen bei ihren Haltern oft Ratlosigkeit und viele Fragen aus.
Bei den exotischen Arten (Vögel und Reptilien) sind Störungen bei Wildfängen sehr häufig; zum Glück begegnen wir in der Schweiz hauptsächlich in Gefangenschaft geborenen Tieren, die diese Haltung deutlich besser vertragen.
Bei Reptilien führen Verhaltensstörungen mittel- oder langfristig zu einer Futterverweigerung (Anorexie), dann zu Häutungsproblemen oder anderen Erkrankungen, die durch die mangelnde Futteraufnahme entstehen. Die Prognose ist oft sehr vorsichtig zu stellen; nur eine vollständige Überprüfung der Haltungsbedingungen kann den Prozess umkehren.
Bei den Vögeln ist das Federrupfen bei Papageien das bekannteste Syndrom. Seine Prognose ist schlecht, ausser man greift früh genug ein und richtet angepasste Umgebungsmassnahmen ein, mit häufig erneuerten Spielsachen und anderen Beschäftigungen.
Bei Kaninchen und Nagetieren sind krankhafte Verhaltensstörungen seltener: Diese Tiere verbringen den Grossteil ihrer Zeit mit Fressen und sind damit ausreichend beschäftigt. Allerdings werden regelmässig aggressive Raufereien mit Bissen beobachtet. Eine Umstellung der Gruppen genügt in der Regel, um Abhilfe zu schaffen.
Bei den Fleischfressern kennt man die verschiedenen Verhaltenserkrankungen deutlich besser. Die am häufigsten beobachteten Störungen äussern sich durch Aggressivität, Zerstörungswut oder Unsauberkeit.
Die Ursachen sind manchmal in den ersten Lebenswochen des Tieres zu suchen, oder in seiner Umgebung, die ungeeignet ist oder eine — selbst geringfügige — Veränderung erfahren hat (z. B. Wechsel der Einstreu bei der Katze).
Die häufigsten Konsultationsgründe sind beim Hund Probleme mit Zerstörung und Aggressivität, bei der Katze das Urinieren innerhalb der Wohnung und beim Frettchen eine fehlende Beisshemmung.
Die Behandlungen sind oft langwierig und verbinden erzieherische Massnahmen manchmal mit Medikamenten. Das Tier wird nur selten vollständig geheilt, doch seine Störungen lassen sich kontrollieren. Man muss äusserst geduldig sein — dieser Punkt ist die häufigste Ursache für ein Scheitern. Ebenso muss man die eigenen Grenzen und Erwartungen kennen, bevor man sich auf eine Verhaltenstherapie einlässt.
Bei Sorgen mit einer Verhaltensstörung seines Heimtieres sollte man sich unbedingt an seine Tierarztpraxis wenden. Einfache Massnahmen werden oft von «Allgemein»-Tierärzten verordnet; bei Misserfolg, Rückfall oder schwerer Erkrankung (oder hoher Gefährlichkeit) überweist der Tierarzt den Patienten jedoch an eine auf Verhalten spezialisierte Fachperson. Jedes Tier braucht eine individuelle Therapie, vor allem wenn seine Störungen fortgeschritten sind.