Die am häufigsten in der Praxis angetroffenen Erkrankungen des Frettchens, Teil 2/2.
Lymphom oder Lymphosarkom
Tumoren und Krebserkrankungen kommen beim Frettchen leider häufig vor. Das Lymphom (oder Lymphosarkom) ist ein Krebs der Lymphzellen und befällt Frettchen jeden Alters. Man trifft nämlich zwei Formen an, die juvenile und die generalisierte. Die beiden Formen haben eine etwas unterschiedliche Symptomatik. Während sich die juvenile Form (von einigen Monaten bis 1-2 Jahre) nahezu akut äussert und mit einer Magenverlegung durch einen Fremdkörper verwechselt werden kann, beginnt die klassische Form bei Erwachsenen mit vagen und wenig spezifischen Zeichen wie Abmagerung und Lethargie. Sie verläuft typischerweise wie eine chronische, zehrende Form. Neben den Lymphknoten (mehrfach oder einzeln) und der Milz können alle Organe von der Krankheit betroffen sein, mit einer Vorliebe für Magen-Darm-Organe, Augen, Knochenmark, Lunge, Nieren und andere.
Die Diagnose wird nach verschiedenen Untersuchungen gestellt, unter anderem Ultraschall, explorative Laparoskopie, Zytologie, Histopathologie.
Chemotherapieprotokolle sind beschrieben und bewirken eine Remission von einigen Monaten. Angesichts einer sehr vorsichtigen Prognose und der Lebensqualität dieser Frettchen wird jedoch häufiger die Euthanasie gewählt.
Hyperadrenokortizismus
Eine frühe Sterilisation oder Kastration (etwa im Alter von 6-7 Wochen) ist ein wichtiger Faktor für das Auftreten eines Hyperadrenokortizismus ab dem Alter von 3 Jahren. Beide Nebennieren können betroffen sein. Anders als der Hund, der den Hyperadrenokortizismus durch ein Cushing-Syndrom infolge eines erhöhten Kortisols im Körper zeigt, reagiert das Frettchen wenig über das Kortisol, sondern eher durch die Erhöhung der ausgeschütteten Sexualhormone. Dieser Unterschied ist wichtig, denn er erklärt zwei Dinge:
– die Behandlung mit Lysodren wie beim Hund erzielt beim Frettchen keinerlei Wirkung
– die beim Frettchen beschriebenen Symptome sind ganz anders
Das kranke Frettchen zeigt trotz Kastration/Sterilisation stets Läufigkeitszeichen, das heisst eine geschwollene Vulva, vulvären Ausfluss und beim Männchen ständig während des Umherlaufens abgesetzte Urintropfen mit einer gewissen Erregung. Eine Alopezie begleitet diese Zeichen, wobei der Haarausfall am Schwanz beginnt und sich über den Körper, hauptsächlich den Rumpf, fortsetzt.
Die Diagnose ergibt sich aus der Vorgeschichte, den klinischen Zeichen, dem Ultraschall durch einen erfahrenen Untersucher und schliesslich bei der Laparoskopie. Die Behandlung der Wahl ist chirurgisch. Die Histopathologie erlaubt es, die Prognose festzulegen.
Insulinom
In den USA ein häufiger Tumor, ist er in unseren Regionen bereits seltener. Symptome einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) begleiten das Insulinom, einen Tumor des endokrinen Teils der Bauchspeicheldrüse. Diese Tumoren treten in der Regel beim Frettchen von über 5 Jahren auf; sie können gutartig oder manchmal bösartig oder multipel sein. Die vollständige chirurgische Entfernung ist daher oft unmöglich; man entfernt den Grossteil der Veränderungen oder sogar einen ganzen Lappen, die konservative Behandlung auf Basis von Prednisolon ist mitunter zusätzlich nötig.
Weitere Neoplasien
Das Frettchen ist leider recht anfällig für Tumoren aller Art, auch auf Ebene der Haut, des Fortpflanzungsapparats, des Magen-Darm-Trakts, des endokrinen, des harnableitenden und des skelettmuskulären Systems.
Infektionen
Beim Frettchen sind Infektionen aller Art möglich, bakteriellen, viralen, parasitären oder protozoären Ursprungs. Je nach Organ und Symptomen entscheidet man bei Bedarf über Zusatzuntersuchungen, um sich einer mitunter nicht einfachen Diagnose zu nähern. Es gibt zudem noch wenige Labore, die vom Frettchen stammendes Material testen; es ist stets nützlich, sich vorher zu erkundigen. Die Behandlungen folgen der Diagnose oder zumindest dem wahrscheinlichsten Verdacht.
Verletzungen
Man könnte Seiten über mögliche Verletzungen beim Frettchen füllen; die meisten entstehen durch versehentliches Zerquetschen durch den Besitzer oder einen anderen Menschen, durch Sturz (von einem Möbel, von der Schulter, aus einem Fenster) oder durch das Zuschlagen einer Tür. Dank seiner Geschmeidigkeit bleibt das Frettchen glücklicherweise oft unversehrt; so findet man bei den meisten Frettchen als einzige Verletzung einen oder zwei abgebrochene Eckzähne. Manchmal sind die Läsionen bedeutender und werden wie bei den anderen Tieren behandelt.
Auch wenn wir bei Weitem nicht alle beim Frettchen vorkommenden Erkrankungen angesprochen haben, können diese beiden Teile einen Überblick über die häufiger diagnostizierten oder zumindest in unseren Regionen dokumentierten Fälle geben. Das Frettchen bleibt ein Fleischfresser mit gewissen Krankheiten, die denen des Hundes oder manchmal der Katze ähneln; die Diagnose- und Behandlungslinien richten sich oft ebenfalls nach deren Therapien.