Frettchen beim TierarztDas Frettchen in der Sprechstunde bei einer tierärztlichen Fachperson

Die Fortpflanzung bei Frettchen ist ein schwieriges Unterfangen und muss mit grösster Aufmerksamkeit begleitet werden. Sie sollte erfahrenen oder gut betreuten Personen vorbehalten bleiben und darf nicht als amüsanter Zeitvertreib betrachtet werden. Tritt ein Problem auf, ist die Geschwindigkeit, mit der sich die lebenswichtigen Funktionen der Mutter und/oder der Föten verschlechtern, überraschend.

Eine Fähe (das Frettchenweibchen) wird im Frühling nach ihrem Geburtsjahr brünstig. Der Monat hängt von der Lichteinwirkung ab. Während die meisten Fähen im März-April brünstig werden, können einige bereits früh ab Weihnachten so weit sein!

Eine stark vergrösserte Vulva, etwa in der Grösse eines menschlichen kleinen Fingers, und ein durchsichtiger Ausfluss sind sehr deutliche Anzeichen der Brunst.

Deckakt

Der Deckakt erfolgt vorzugsweise mit einem erfahrenen Rüden, besonders bei einer erstgebärenden Fähe. Er findet 10-14 Tage nach dem Auftreten der Brunstanzeichen statt. Um die Fortpflanzungschancen zu erhöhen, kann man das Paar bei Bedarf mehrere Tage zusammenlassen, was allerdings die genaue Bestimmung des Geburtstermins erschwert. Eine erstgebärende (zum ersten Mal trächtige) Fähe wirft nämlich 41 Tage nach dem Deckakt, eine mehrgebärende 42 Tage. Den genauen Termin zu kennen ist ein Vorteil, um eine verlängerte Trächtigkeit zu vermeiden, die zu einer kritischen Lage für Mutter und Föten führt (die in der Regel bald nach dem Termin versterben).

Nach dem Deckakt sollte die Vulva innert weniger Tage kleiner werden und abtrocknen. Andernfalls hat keine Befruchtung stattgefunden. Ein erneutes Brünstigwerden nach 2-3 Wochen deutet auf einen Verlust der Trächtigkeit hin.

Trächtigkeit

Eine möglichst harmonische Trächtigkeit umfasst einige unerlässliche Punkte:

  • Die Ernährung während der Trächtigkeit nicht ändern. Vor dem Deckakt eine hochwertige Nahrung mit hohem Fettgehalt (18-20%) und guten Proteinen (35-40%) vorsehen. Nach 3 Wochen Laktation kann man den Fettanteil ergänzen (bis 30%).
  • Das Männchen vom Weibchen trennen. Andernfalls ist das Risiko von Kannibalismus nach der Geburt sehr hoch.
  • Den Gesundheitszustand des Weibchens überwachen. Es nimmt an Gewicht zu und wird mit der Zeit müder, sein Urin sollte jedoch normal bleiben. Ab 1 Monat Trächtigkeit lassen sich die Föten ertasten, was eine Unterscheidung von einer Scheinträchtigkeit erlaubt – einem äusserst häufigen und sehr ähnlichen Zustand.
  • Die Wurfbox vorbereiten: eine kleine Ecke, aus der die Mutter heraus kann (ausser man ist gezwungen, sie zum Verbleib bei den Jungen zu bewegen), die Neugeborenen aber nicht. Futter und Wasser in der Nähe. Geeignete Einstreu ohne Erstickungsgefahr.

Geburt

Die Geburt und die darauffolgenden Momente sind ein heikler Schritt, besonders wenn man eine entscheidende Regel missachtet:

Nicht stören….. !!!! Die Mutter sollte sich vor der Geburt sorgfältig um die ersten Neugeborenen kümmern, bleibt aber nicht lange genug an Ort, um sie säugen zu lassen.

Dystokien (Geburtsstörungen) können vorkommen, sind aber selten (ca. 1%); meist sind die Föten zahlreich (im Schnitt etwa zehn) und daher klein. Die Mutter kommt besser zurecht, wenn sie bei ihrer Arbeit nicht gestört wird. Im Idealfall weiss ein guter Frettchenhalter in den ersten Tagen nicht genau, wie viele Junge vorhanden sind!

Die Dystokieprobleme sind hauptsächlich Passageprobleme aufgrund der Grösse der Jungen oder aufgrund von Anomalien, Gebärmutterträgheit (Uterusatonie) oder einer zu geringen Anzahl Junge.

Es ist günstig, die Geburt aus der Ferne zu überwachen, ohne zu stark einzugreifen (man überträgt seinen Stress und seine Unruhe), bei Bedarf zu helfen oder den Tierarzt um Hilfe zu bitten. Ein bräunlicher Ausfluss, ein plötzlicher Stillstand mitten in der Arbeit oder Teilnahmslosigkeit gehören zu den beunruhigenden Zeichen.

Nachgeburtsphase und Laktation

Die Probleme in der Nachgeburtsphase betreffen aufseiten der Jungtiere hauptsächlich Abschnürungen durch die verhedderten Nabelschnüre, Durchfälle und Störungen der Augenöffnung im Zusammenhang mit Bindehautentzündungen.

Bei einer Abschnürung muss man sich manchmal dazu entschliessen, ein Neugeborenes zu opfern, um die anderen zu entwirren. Die übrigen Probleme müssen einen Tierarzt hinzuziehen und die Hygienebedingungen überdenken lassen.

Die Probleme aufseiten der Mutter sind eine schwache Laktation oder eine Säugeverweigerung (vor allem bei Erstgebärenden), Kannibalismus, Gesäugeentzündungen (Mastitiden) und Gebärmutterentzündungen (Metritiden). Entzündungen und Infektionen erfordern das Eingreifen eines Tierarztes.

Die Qualität der Ernährung muss optimal sein, ebenso ihr Zugang. Man vermeidet die Anwesenheit des Männchens, auch während der Trächtigkeit. Bei Laktationsproblemen ist die beste Überlebenschance der Jungen:

  • die Mutter zur Fürsorge zu zwingen (das Verlassen der Box nicht erlauben). Ihr Rückzug und Ruhe lassen. Sie eventuell zum Fressen herauslassen und dann wieder zu ihren Jungen setzen. Die Temperatur kontrollieren, nicht zu warm, aber mit einer Wärmelampe, die die Neugeborenen teilweise abdeckt.
  • eine Ammen-Fähe zu finden (ideal bei einem grossen Problem oder beim Tod der Mutter, aber sehr schwierig umzusetzen).
  • mit Welpen- oder Kätzchenmilch (3 Teile) ernähren, angereichert mit Schlagrahm (1 Teil). Vor 3 Wochen ist die Überlebensprognose äusserst vorsichtig.

Fazit

Ganz allgemein ist es unmöglich, alle Aspekte dieses weiten Themas im Detail darzustellen; man muss sich sorgfältig informieren, bevor man die Entscheidung trifft, seine Fähe zu verpaaren.