Zahnfehlstellungen bei Nagetieren und Kaninchen
Zahnfehlstellungen (Malokklusionen) gehören bei Meerschweinchen, Chinchillas und Kaninchen wahrscheinlich zu den häufigsten Gründen für einen Besuch in der Tierarztpraxis.
Die damit verbundenen Probleme zeigen sich erst nach mehreren Lebensmonaten und können die Schneidezähne (vorne und sichtbar) oder die Backenzähne (hinten und schwer einsehbar) betreffen. Die Zähne wachsen jedoch ununterbrochen weiter, und wenn sie schief wachsen, bilden sie Spitzen oder Brücken, die die Schleimhaut verletzen und wunde Stellen (Erosionen) verursachen, die Beweglichkeit der Zunge blockieren oder ein mechanisches Hindernis darstellen.
Die Warnzeichen sind die folgenden:
- Das Tier sortiert sein Futter, es speichelt, hört ganz auf zu fressen und/oder zu trinken, es magert ab, kann Verdauungsstörungen zeigen oder manchmal einen Abszess im Bereich der Backen oder des Unterkiefers entwickeln.
- Ein Nagetier oder Kaninchen, das nicht mehr frisst, befindet sich in einem kritischen Zustand. Sein hochspezialisiertes Verdauungssystem erlaubt es ihm nicht, längeres Fasten zu überleben. Man darf also nicht mehrere Tage warten, bevor man es dem Tierarzt zeigt, vor allem wenn es gar nichts mehr frisst.
- Sind die Schneidezähne für die Fehlstellung verantwortlich, ist die Prognose besser. Sie unter Narkose mit einer elektrischen Säge zu kürzen ist die eleganteste Methode, doch die Methode der Wahl bei fehlwachsenden Schneidezähnen bleibt schlicht das Ziehen der Zähne (Extraktion). Das Kaninchen (die von dieser Art Fehlstellung am häufigsten betroffene Tierart) frisst danach völlig normal.
- Sind Backenzähne verantwortlich, kann sich ihr fehlerhaftes Wachstum auf verschiedene Weise äussern. Die genaue Diagnose ist nur unter Anästhesie möglich. Spitzen oder Brücken müssen abgetragen werden; manchmal trifft man auf Abszesse, die sich allerdings nur sehr schwer ausräumen lassen. Diese Abszesse sind oft sehr aggressiv und können in das Knochengewebe eindringen. Ziel ist es, sie vollständig zu entfernen, ebenso wie den oder die verantwortlichen Zähne. Eine Röntgenaufnahme ist oft unerlässlich. Die Prognose dieser Abszesse ist vorsichtig zu stellen.
Röntgenaufnahmen des Kopfes können ganz allgemein, selbst bei einem gesunden Nagetier oder Kaninchen, auf eine Malokklusion hinweisen. Ob diese unerwünschte Folgen nach sich ziehen wird, ist hingegen schwieriger vorherzusagen.
Die beste Vorbeugung ist grundsätzlich eine heureiche Fütterung mit reduziertem Körneranteil. Körner werden oft bevorzugt, weil sie schmackhaft sind, doch Heu bleibt das Grundfutter, das zur freien Verfügung angeboten werden muss, um den krankhaften Folgen von Zahnfehlstellungen und auch Verdauungsproblemen bestmöglich vorzubeugen.
Zweitens sollte man nicht mit einem Tier züchten, das an einer Malokklusion leidet, denn dieser Defekt wird an die Nachkommen weitergegeben.
