Unsere Haustiere können ebenfalls unter Anfällen leiden, die den Epilepsieanfällen des Menschen ähneln. Auch wenn die Begriffe der Epilepsie sowie des Grand Mal und Petit Mal der Beschreibung beim Menschen vorbehalten bleiben, treffen wir Krampfanfälle desselben Typs bei Hunden, Katzen und Frettchen an.

Die Hunde

Man unterscheidet hauptsächlich 2 Formen: eine generalisierte Form und eine partielle Form.

-Die erste ist häufiger und tritt oft in jungem Alter auf (ab einem Alter von ca. 6 Monaten). Ihre Ursache bleibt oft unbekannt, man spricht dann von einem idiopathischen Anfall. Gewisse Hunderassen und -linien sind dafür veranlagt, darunter der Labrador. Manchmal findet man einen metabolischen Ursprung, zum Beispiel angeborene Erkrankungen wie einen portosystemischen Shunt. Diese Anfälle gehen mit Bewusstseinsverlust, einem Zusammensacken des Körpers, Krämpfen, Schaum sowie Urin- oder gar Kotabgang einher. Der Hund kann vor dem Anfall ein verändertes Verhalten zeigen, was auf eine Art Aura-Empfinden hindeuten könnte. Nach dem Anfall erlangt der Hund alle seine Fähigkeiten zurück. Diese Art von Anfall wird nicht medikamentös behandelt, solange sie nicht mehr als ein- bis zweimal pro Monat auftritt; werden die Anfälle jedoch häufiger, länger oder folgen sie dichter aufeinander, erhält der Hund eine medikamentöse Behandlung, oft lebenslang. Es ist allerdings wertvoll, alle Daten und Informationen im Zusammenhang mit dem Auftreten der Anfälle zu sammeln; deshalb ist es ratsam, in einem Heft sorgfältig alles festzuhalten, was die Stunden vor den Anfällen betrifft. Manche Hunde leben jahrelang mit diesen Anfällen, ohne dass ihr Allgemeinzustand darunter leidet.

-Die partielle Form des Anfalls tritt manchmal plötzlich auf und äussert sich nur an einem Teil des Körpers, zum Beispiel kann nur der Kopf Zittern zeigen. Diese Art von Anfall ist oft mit einem Problem metabolischen Ursprungs verbunden (Unterzuckerung, Lebererkrankung, Tumor usw.). Man führt eingehendere Untersuchungen durch, um eine Ursache zu finden.

-Achtung, die Unterscheidung zwischen den beiden Formen und zwischen metabolischen oder idiopathischen Ursachen ist nicht immer einfach!

-Die Anfälle sind nicht tödlich; ein Status epilepticus hingegen, also Anfälle, die ohne Erholungsphase aufeinanderfolgen, stellt einen Notfall dar, da er tödlich sein kann.

Die Katzen

Katzen zeigen häufiger plötzlich auftretende Krampfanfälle mit vorsichtigerer Prognose. Metabolische Ursachen sind häufig und oft leichter zu erkennen. Diese Ursachen gehören jedoch zu Krankheitsgruppen mit vorsichtiger Prognose. Die therapeutischen Versuche, die Anfälle zu kontrollieren, sind bei der Katze oft zum Scheitern verurteilt, und das Auftreten von Krampfanfällen ist bei ihnen oft als beunruhigend einzustufen.

Die Frettchen

Neurologische Ursachen sind seltener; die Hauptursache eines epileptiformen Anfalls ist die Unterzuckerung infolge von Tumoren des Typs Insulinom. Und gewisse Viruserkrankungen wie die Staupe oder, glücklicherweise seltener, die Tollwut oder gar die Aleuten-Krankheit.

Generell sollte man bei einem Anfall dieser Art vermeiden, die Finger ins Maul zu stecken (Bissgefahr), das Tier durch sanftes Zureden beruhigen, das Licht löschen und Geräusche von Fernseher oder Radio abstellen, Lärm vermeiden, das Tier sichern (Sturzgefahr) und, wenn man bereits Zäpfchen für diese Indikation besitzt, ihm sanft eines einführen.