Das Hauschinchilla (Chinchilla laniger) stammt aus Lateinamerika und geht auf die letzte (oder je nach Autor vorletzte) noch lebende Wildart zurück. In diesem Zusammenhang ist die Fortpflanzung der Chinchillas von grösster Bedeutung, denn ihr Handel ist nur mit in Gefangenschaft geborenen Tieren erlaubt.

Zwar kann das Chinchilla lange leben (10, manchmal bis zu 20 Jahre), doch die Geschlechtsreife tritt früh ein, beim Weibchen mit etwa 4–5 Monaten und beim Männchen mit 9 Monaten. In der Regel wartet man jedoch bis zum Alter von 7 bis 9 Monaten mit der Verpaarung.
Die Fortpflanzungssaison liegt im Winter und Frühling (November bis Mai); im Sommer ruht das Chinchilla-Weibchen hormonell.

Die Geschlechtsbestimmung der Jungtiere ist mit etwas Erfahrung schon ab der Geburt möglich. Beim Weibchen ist die Vulva von einer Membran verdeckt, die sich nur während der Geburt sowie 2 bis 4 Tage während der Läufigkeit öffnet.
Die Läufigkeit dauert im Schnitt 1 Monat (Achtung, grosse Schwankungen); sie ist erkennbar, wenn sich die Vulva öffnet, dabei schleimige Sekrete austreten und sich die Dammregion intensiver verfärbt.

Der Erfolg einer Deckung zeigt sich am Auftreten des Schleimpfropfs, der innerhalb von 24 Std. ausgestossen wird – wie auch beim Meerschweinchen.

Das Männchen kann während der Trächtigkeit, der Geburt und des Säugens der Jungen beim Weibchen bleiben, sofern dieses seine Anwesenheit duldet. In einem Harem wird jedoch empfohlen, das Männchen sofort zu trennen.

Die Trächtigkeit ist lang und dauert 110 bis 120 Tage. Pro Weibchen sind zwei Würfe im Jahr möglich, mit 1 bis 5 Jungen pro Wurf (im Schnitt 2).
Die Geburt erfolgt oft im Morgengrauen (vor 8 Uhr) und sehr selten nach 12 Uhr. Bei optimalen Lebens- und Haltungsbedingungen treten nur selten Dystokien (krankhafte Geburten) auf. Das wilde Chinchilla-Weibchen baut kein Nest; domestiziert verschmäht es jedoch kein warmes Plätzchen, das die Neugeborenen wärmt. Blut an Nase und Vorderpfoten sind Zeichen dafür, dass die Geburt beendet ist und die Mutter die Plazenten gefressen hat.

Die Jungen wiegen bei der Geburt 30 bis 50 g, haben ihr Fell und ihre Zähne, und Augen und Ohren sind geöffnet. Nach 1 Woche laufen sie. Bei Säugeproblemen kann man versuchen, eine säugende Amme zu finden – ein Chinchilla oder ersatzweise ein Meerschweinchen. Andernfalls müssen sie künstlich ernährt werden, mit einer Mischung aus Milchpulver und Wasser zu gleichen Teilen + 1 g Glukose pro 15 ml. In den ersten 3–4 Tagen muss man sie nach Bedarf füttern, mit einem maximalen Abstand von 4 Std. zwischen den Mahlzeiten, nachts 2×. Nach diesen wenigen Tagen kann man die nächtliche Fütterung einstellen und die Abstände zwischen den Mahlzeiten schrittweise verlängern.
Man kann ihnen auch das Rezept für Meerschweinchen-Babys anbieten:
1 Teelöffel Naturjoghurt mit Bifidus, Magerquark oder Naturjoghurt
+ einige Tropfen Sonnenblumen- oder Leinöl + einige Tropfen Wasser.

Nicht vergessen, ihren Bauch zu massieren und sie warm zu halten!

Die Jungen beginnen nach 1 Woche mit fester Nahrung; mehrere Näpfe sind nötig, um Streit zu vermeiden. Entwöhnt werden sie im Alter von 6 bis 8 Wochen.

Achtung:

  • Beim Absetzen müssen die Jungen von den Eltern getrennt werden
  • Das Muttertier kann bereits 12 Stunden nach der Geburt läufig (und fruchtbar!) sein! Die nächste Läufigkeit folgt etwa 40 Tage später.

Erkrankungen des Fortpflanzungsapparats:

  • Dystokien: Das Weibchen ist unruhig, findet keine Ruhe, schreit und dreht sich ständig zu seinen Geschlechtsorganen um. In der Regel treten Probleme auf, wenn ein einzelner Fötus zu gross ist oder ein Fötus falsch liegt. Manchmal erklärt eine Uterusträgheit die verzögerte Geburt. Dystokien werden durch sanfte Manipulation oder Kaiserschnitt behoben.
  • Beim Männchen: Abschnürung des Penis durch Fell. Häufig im Anschluss an die Paarung.