Zahnerkrankungen gehören zu den häufigsten und am meisten unterschätzten Problemen bei Hund und Katze. Sie sind schmerzhaft, oft still, lassen sich aber gut vorbeugen und behandeln. Die Zahnsteinentfernung ist dabei die Schlüsselmassnahme.
Vom Zahnbelag zur Zahnfleischerkrankung
Alles beginnt mit dem unsichtbaren Zahnbelag, der sich auf den Zähnen ablagert. Bakterien besiedeln ihn: Das Zahnfleisch entzündet sich (Gingivitis), dann mineralisiert sich der Belag zu Zahnstein. Bleibt das unbehandelt, schreitet die Entzündung fort, zwischen Zahn und Zahnfleisch bilden sich Eitertaschen, der Zahn lockert sich: Das ist die Parodontalerkrankung, schmerzhaft und Ursache von Mundgeruch. (Gute Nachricht: Anders als wir haben Fleischfresser fast nie Karies.)
Welche Anzeichen sollten alarmieren?
- Mundgeruch (das erste, oft zu Unrecht verharmloste Zeichen)
- Das Tier kaut auf einer Seite, lässt sein Futter fallen, frisst weniger
- Speicheln, rotes, blutendes Zahnfleisch, Abwehr bei Berührung nahe am Maul
- Nachlassende allgemeine Verfassung
Worin besteht eine Zahnsteinentfernung?
Sie erfolgt unter Narkose: Das ist unerlässlich, um wirksam auch unter dem Zahnfleisch zu reinigen und jeden Zahn einzeln zu kontrollieren, ohne Stress und Schmerz für das Tier. Der Zahnstein wird mit Ultraschall entfernt, die Zähne werden poliert, und die zu stark geschädigten Zähne werden gezogen. Ein gesundes Maul bedeutet ein Tier, das wieder mit Freude frisst und oft wie «verjüngt» wirkt.
Zu vermeidende Fehler
- Zu glauben, «Mundgeruch sei normal»: Fast immer ist er das Zeichen einer Zahnerkrankung.
- Zu hoffen, den bestehenden Zahnstein durch Zähneputzen zu entfernen: Das Putzen beugt vor, entfernt aber bereits gebildeten Zahnstein nicht.
- Die Zahnsteinentfernung aufzuschieben: Die Krankheit schreitet fort, wird schmerzhaft und führt zu Zahnverlust.
Vorbeugung
Das regelmässige Zähneputzen (mit einer Zahnpasta für Tiere) ist am wirksamsten; andernfalls helfen Trockenfutter, Kaustreifen oder Zahnpflegelösungen, den Belag zu begrenzen. Eine Kontrolle des Mauls bei jedem Besuch ermöglicht frühes Handeln.
Das Wichtigste in Kürze: Mundgeruch ist nicht harmlos, er ist das Signal einer schmerzhaften Zahnerkrankung. Die Zahnsteinentfernung unter Narkose saniert das Maul, und regelmässiges Zähneputzen bleibt die beste Vorbeugung.